Als ich Ende der 90er mein Medizinstudium beendet hatte und meinen ersten Job als Assistenzärztin begann, erging es mir wie so vielen Berufsanfängern: Ich war von jetzt auf gleich im Dauerstress. Innen deutlich weniger kompetent als es von außen den Anschein hatte. Komplett überfordert und nonstop am Rennen. In meiner Erinnerung bestand ich nur noch aus Arbeiten und Schlafen. Keine Zeit mehr für mich oder mein Privatleben. Und erst recht nicht für Sport. Ich bezahlte nur noch die Gebühren fürs Fitnessstudio und ärgerte mich darüber.

 

Um wenigstens irgendetwas für mich oder meine eigene Gesundheit zu tun, kaufte ich mir die Fitnesszeitschrift „Shape“. Darin gab es Übungen die „anders“ waren, obwohl sie auf den Fotos aussahen wie die bekannten Klassiker. Aber sie wurden sehr präzise und mit teilweise „merkwürdigen“ Formulierungen angeleitet. Und wenn man es schaffte den Kopf auszuschalten und sich genau an die Anweisungen zu halten, entfalteten sie plötzlich eine sagenhafte Wirkung. Auf einmal benutzte ich Muskeln, die ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Ich wurde größer und bekam ein ganz neues Körpergefühl, obwohl ich vergleichsweise wenig Zeit investieren konnte.

 

Die damalige Chefredakteurin der Shape hieß Benita Cantieni. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie dabei war, eine Methode zu entwickeln, die mein persönliches Leben verändern sollte. Auch wenn ich sie zunächst im Alltagsstress erstmal wieder verlor.

 

Einige Jahre und einen Bandscheibenvorfall später, traf ich Benita Cantieni wieder. In Form von Büchern. Die CANTIENICA®-Methode hatte sich weiterentwickelt, war immer filigraner und doch immer konsequenter geworden. Und sofort war die Faszination wieder da.

 

Mit den besten Vorsätzen legte ich wieder los. Aber es fiel mir unglaublich schwer die detaillierten Anweisungen aus dem Buch umzusetzen. Ich vermisste ein Feedback, machte mir Sorgen dass ich etwas falsch machen könnte.

 

In meiner Nähe fand ich keinen passenden Unterricht. Also reiste ich wieder und wieder nach Berlin, nahm an Workshops teil, besuchte verschiedene Trainerinnen zum Einzelunterricht und fand schließlich „meine“. Claudia, die für die Methode brannte und es schaffte, mir immer wieder Aha-Erlebnisse zu verschaffen und mir irgendwann 2016 völlig unerwartet vorschlug, doch selbst eine Ausbildung zur CANTIENICA®-Trainerin zu machen.

 

Nach einem ersten „Auf keinen Fall“ ging alles recht schnell.

 

Unglaublich viele Menschen haben mich bestärkt, mich nach vorn geschubst, mir Steine aus dem Weg geräumt. Danke an Euch alle. Für Eure Hilfe, Geduld und Nachsicht, als ich Monat um Monat neben meinem Job im Krankenhaus nur noch mit der Ausbildung beschäftigt war. Für die vielen freiwilligen Probanden, die sich für meine vorgeschriebenen Unterrichtsstunden zur Verfügung gestellt haben. Danke für Deine Praxisräume, liebe Alex, die ich solange nutzen durfte.

 

Und als ich Anfang 2018 entschied, dass jetzt die Zeit für ein eigenes Studio gekommen ist, wurden in genau diesem Moment die Räume frei, vor denen ich gestanden und die ich in Gedanken schon eingerichtet hatte, bevor die Ausbildung überhaupt begann.

 

Und da bin ich nun, umgeben von vielen tollen Menschen und glücklich in meinem eigenen Studio.

 

Ärztin zu sein ist immer noch mein Beruf und ich bin es immer noch sehr gerne. Aber jetzt gibt es einen wunderbaren zweiten.